24.-26.Juli 2026 in Friesenheim

Wir feiern mit euch den 100. Geburtstag von Ivan Illich.

Ihr Lieben,

wir lassen die Anrede bewusst so ganz und gar im Ungefähren, denn in diesem Jahr wissen wir weniger denn je, wer sich am letzten Juliwochenende hier bei uns einfinden wird. Und das hat ausnahmsweise einmal nichts mit den unberechenbaren Bocksprüngen der großen Politik zu tun, sondern mit einer Feier, einem Fest, dessen Anlass der 100. Geburtstag Ivan Illichs ist. Unsere diesjährige Sommeruniversität soll also ganz im Zeichen dieses Geburtstags stehen. Tatsächlich haben wir nicht wenig Anlass, diesen besonderen Geburtstag festlich zu begehen, und dem Jubilar unseren Dank abzustatten. Denn Ivan Illich hat schon bei der Gründung dieser jährlichen Zusammenkunft, Pate gestanden in mancherlei Hinsicht: Durch ihn fühlten wir uns ermutigt unsere ‚Veranstaltung‘, nachdem wir lange gezögert haben ‚Universität‘ zu nennen. Für Außenseiter, also Leute, die auf ‚richtige‘ Universitäten schwören, scheint das ein wenig großspurig oder anmaßend. Denn in beinah keinem Detail kann unsere Universität den dort geltenden Standards genügen. Weder ist sie wissenschaftlich auf der Höhe, noch hat sie ‚credits‘ zu vergeben, noch gibt es eine Studienordnung, noch Lehrpläne (nicht einmal „heimliche“), keine angemessenen Räumlichkeiten und kein zum Zweck unserer Belehrung beamtetes Lehrpersonal. Bei uns gibt es allerdings immer etwas zu essen und zu trinken, ein paar Bierbänke und Biertische, ein paar schattenspendende Bäume und ein Stück Wiese. Und natürlich genug Menschen, um Universität zu machen. Denn das hat Ivan uns auch wissen lassen, dass eine Universität aus verschiedenen Menschen und für verschiedene 2 Menschen gemacht sei, junge und alte, begabte und unbegabte, gelehrte und neugierige, fremde und eigene, arme und reiche. Denn ähnliche Menschen brächten keine Universität zustande. Auch durch die imposanten Studentenzahlen an ‚richtigen‘ Universitäten sollten man sich nicht einschüchtern lassen. Denn: wo zwei oder drei sich versammeln, um gemeinsame Angelegenheiten ernsthaft und diszipliniert zu bedenken, da sei Universität; er nannte diese Kleinstgebilde „Mansardenuniversität“ und war ihr leidenschaftlicher Fürsprecher, da sie obendrein ganz umsonst zu haben sind, während die Großuniversitäten chronisch an Geldknappheit leiden. Zudem seien diese nicht für Menschen gemacht, sondern um Arbeitskraft für Unternehmen und Administrationen zu formen und auch, um Dropouts zu produzieren, damit Andere sich gebildet wähnen können. Sein Vorschlag für die nächste große Universitätsreform: Verkaufen! An die Einrichtungen, die von ihnen profitieren, neuerdings auch wieder – auffällig - das Militär. Der schäbige Rest, den niemand haben will, das sei der Kern einer erneuerungsfähigen Universität: Universitas semper reformanda. Wir gehören zu diesem Rest.

Wie immer werden wir uns in Arbeitsgruppen über Texte beugen, in diesem Jahr über Texte von Ivan. Wem ein solcher Text am Herzen liegt, den er gern mit anderen erörtern möchte, sollte ihn nach Möglichkeit in mehreren Exemplaren mitbringen. Diesmal gilt mehr denn je die Einsicht, dass die Eile vom Teufel erfunden wurde. Wenn wir von einem Text drei oder vier Sätze schaffen, dann kann das fruchtbarer sein als ihn zu überfliegen. Und Ivans Sätze haben es in sich.

Zeit werden wir uns auch geben, weil wir Gäste bei uns haben werden aus Brasilien, Spanien, Italien, Ungarn und wer weiß woher noch, mit denen wir uns auf Englisch, sei es auch noch so holperig, verständigen müssen, können, wollen. In Ivans Mansarden-Universitäten wurde nie nur eine Sprache gesprochen. Überhaupt wird einiges anders sein. Aber wie gesagt: Universitas semper reformanda. Die Universität ist eine stets zu erneuernde, auch die Friesenheimer.

Im Namen aller Einladenden:

Marianne Gronemeyer

 

 

 


Termine 2026: 10. Januar | 07. Februar | 14. März | 11. April | 09. Mai | 06. Juni (jeweils um 14 Uhr im Fragmente Wiesbaden)

Friede ohne vorhergehende Sehnsucht kann nicht kommen… Wo die Menschen sprachlich veröden, droht Krieg. Kalter Krieg meinetwegen. Aber Friede heißt miteinander sprechen.“

Eugen Rosenstock-Huessy

Thema am 14. März: “Vertrauen: Soll man es haben? Kann man es fordern?  Kann man es lernen oder lehren?  – Gibt es das Vertrauen überhaupt?

Liebe Freundinnen und Freunde des Fragmente-Ladens, liebe ehemalige und künftige Besucher, liebe Neugierige und alle, die in diesen wirren und beunruhigenden Zeiten einen Ort suchen, an dem man einmal im Monat ruhig und offen über die wichtigen und drängenden uns alle angehenden Fragen von Krieg und Frieden sprechen kann.

Die Fragen gibt es ja zu Hauf, aber sie dringen nicht an die Oberfläche und in die öffentliche Debatte, teils weil wir uns schon nicht mehr trauen, sie zu stellen, teils weil wir nicht daran glauben, dass wir an den Verhältnissen aus eigenen Kräften noch etwas ändern können, teils weil wir uns an das Sprichwort: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ zu halten gelernt haben. Die Züge scheinen überall abgefahren (außer bei der Deutschen Bahn), und die Reichweite unserer Einflussmöglichkeiten schrumpft in dem Maße, in dem wir nicht mehr an sie glauben.

Unser Weg ist ein anderer: Wir wollen herausfinden, was wir in Erfahrung bringen, begreifen und zu bezweifeln lernen können, wenn wir aufeinander hören und miteinander sprechen. Da wir alle – je nach den gelebten Lebensjahren und den uns auferlegten Lebensumständen mehr oder weniger Erfahrungen angesammelt haben, müsste durch das Miteinander-Sprechen eine Menge Lebensklugheit und Lebensdummheit zur Sprache kommen können ein Gebirge von Diskussionsstoff. Und das Besondere dabei ist, dass wir wissen, wovon wir reden, weil wir es ja am eigenen Leibe erfahren, erlitten, genossen haben. Ja tatsächlich: Es geht bei diesen Friedensgesprächen darum, dass wir uns von den Medien, den etablierten ebenso wie den frei flottierenden, unabhängiger machen und uns auf eine eigene Haltung besinnen, einen ‚Grund auf dem wir miteinander Halt und Haltung finden, auf dem wir stehen können, auf dem wir aber auch bestehen werden.‘

Für Essen und Trinken ist gesorgt. Fangen wir einfach an, ohne zu wissen, wohin uns das führt.

Die Friedensgespräche werden 2026 fortsetzt. Die Termine werden auch auf der Homepage von Fragmente Wiesbaden jeweils am Monatsbeginn angekündigt.

Wir freuen uns auf Euch. Wir werden da sein, ( „So Gott will“, hätte meine Mutter gesagt).

Marianne Gronemeyer für den Freundeskreis von der Stiftung Convivial


PORTRAITS AUS NAMIBIAS ÄLTERER GENERATION

Im April 2024 haben wir Namibia besucht. Rosa Namises hat uns Begegnungen mit älteren Menschen vor Ort ermöglicht. Wir durften ihnen zuhören und fotografische Porträts erstellen. Mit 24 Frauen und Männern haben wir gesprochen, deren Gesichter und Erzählungen von vielfältigen Erfahrungen berichten: von Erlebnissen während der Apartheid, traditioneller Heilkunst und persönlichen Lebensweisheiten über die Kulturgeschichte ihrer Gemeinschaften bis hin zum Leben mit Wenigem und neuen Generationenkonflikten. Die Themen bestimmten sie jeweils selbst. 

Begleitet wurde Rosa Namises von Pietro Sutera, Charlotte Jurk und Reimer Gronemeyer. Ermöglicht wurde diese Recherchereise durch die Stiftung Convivial und die Justus-Liebig-Universität Gießen.

Bei der Vernissage sprachen Rosa Namises (Video-Botschaft), Christian Schlaga (deutscher Botschafter in Namibia a.D. und gegenwärtig Präsident der der deutsch-namibischen Gesellschaft), Klaus Hess (Verleger), Marianne Gronemeyer (Stiftungsrat Convivial sowie Charlotte Jurk und Reimer Gronemeyer (beide Stiftungsrat Convivial). Bernward Rudolf begleitete die Eröffnung musikalisch mit der klassischen Gitarre.    

Die Ausstellung mit Bildern von Pietro Suterra ist noch bis September 2025 im Fragmente Wiesbaden zu sehen. 


Ivan Illich Archiv

Seit 2013 sammelt die Stiftung Convivial unermüdlich Publikationen, Aufsätze und unveröffentlichte Texte von Ivan Illich, sowie Kommentare und Texte anderer Autoren aus seinem gedanklichen Umfeld. Darunter finden sich auch Bild- und Tondokumente und biographisches Material.

Das Archiv ist in den Räumlichkeiten der Stiftung (Wiesbaden) untergebracht und nach Absprache frei zugänglich. Ein Computerarbeitsplatz und ein Kopiergerät stehen vor Ort zur Verfügung.

Eine Liste des Bestandes ist zudem online verfügbar und kann über die Datenbank eingesehen werden. Einzelne Titel stehen dort zum Download zur Verfügung. Weitere werden laufend hinzugefügt.

Hier geht es zur Datenbank des Illich-Archives: Link symbol-fur-externen-link.png